Survival ist die Kunst, nahezu ohne Ausrüstung in der Wildnis zu überleben. Eigentlich sollte das für uns kein Problem sein, denn diese Wildnis, die wir heute mit einer Mischung aus Angst und Faszination betrachten, war über viele Jahrtausende hinweg unsere Heimat. Heute jedoch ist uns die Natur so fremd geworden, dass wir es uns kaum mehr vorstellen können, dass man ohne technische Hilfe überhaupt überleben kann. Statt auf Bäumen und Felsen klettern wir heute fast nur noch durch Computerspiele und simulieren dort das Abenteuer, das uns in der Natur so fremd geworden ist. Statt unser Glück in den Wäldern und Wiesen zu suchen, suchen wir es in Internetcasinos, in Handy Apps oder im Gaming Club. Kaum einer weiß heute noch, wie man in der freien Natur ohne zivilisatorische Hilfe überlebt. Damit dies dennoch gelingt, braucht es zwei Dinge, die man als den Vater und die Mutter des Survival bezeichnen könnte: Die nötigen Fähigkeiten und die richtige Einstellung. Die Fähigkeiten bestehen vor allem darin, sich in der jeweiligen Umgebung zurecht finden, sich Nahrung und Wasser beschaffen und sich vor Kälte und Gefahren schützen zu können. Zur richtigen Einstellung gehören neben dem Glauben an sich selbst und den Reichtum der Natur vor allem ein Urvertrauen in das Leben, sowie Dankbarkeit und Demut der Natur gegenüber. Diese Einstellung ist es, die das Survival zu einer Kunst werden lässt und nicht zu einem Kampf. Wer das Überleben als einen Kampf betrachtet wird es sich damit nur unnötig schwer machen. Wenn Sie sich selbst einmal auf ein eigenes Wildnis-Survival-Abenteuer begeben wollen, können Ihnen die folgenden 10 Tipps dabei helfen, diese Erfahrung zu einem ganz besonderen Erlebnis werden zu lassen.

Überleben im Eis

1. Vorbereitung
Auch wenn Survival die Kunst des „Überlebens mit nichts“ ist, sollten Sie sich vor allem bei Ihren ersten Versuchen gut vorbereiten. Wählen Sie sich für den Anfang ein Waldgebiet aus, das nicht zu groß ist und in dem es viele Waldwege und Rüttegassen gibt. Bereits ein Waldgebiet mit einer Größe von 4 Quadratkilometern reicht aus, um sich so sehr darin zu verlaufen, dass sie nicht mehr hinausfinden. (Mehr dazu kommt unter Punkt 8) Tragen Sie Ihre Kleidung im Zwiebel-Schicht-System, so dass Sie auf jede Temperatur vorbereitet sind. Vermeiden Sie dabei Kunstfaserstoffe, da diese bereits beim Kontakt mit kleinen Funken zu schmelzen beginnen. Außerdem sollte Ihre Ausrüstung eine Wasserflasche, etwas Notnahrung in Form von Nüssen und Trockenobst, sowie ein stabiles Messer mit einer durchgängigen Klinge enthalten. Wenn es Ihre erste Naturerfahrung ist, sollten Sie außerdem einen Schlafsack, ein Tarp und eine Isomatte dabei haben. Unternehmen Sie ihre ersten Survivalversuche nicht alleine, sondern suchen Sie sich mindestens einen Partner. So haben sie zum einen jemanden mit dem Sie Ihre Erfahrungen teilen können und können sich zum anderen in Notsituationen gegenseitig helfen. Auf gar keinen Fall sollten Sie jedoch aufbrechen, ohne dass eine dritte Person über Ihre Tour und Ihren Aufenthaltsort bescheid weiß.

Überleben in der Wildnis

2. Gefahren
Um sich sicher in der Natur bewegen zu können, sollten Sie zunächst die Gefahren kennen, die Ihnen begegnen können. Die meisten Menschen haben beim Gedanken an Natur und Wildnis vor allem vor wilden Tieren Angst. In deutschen Wäldern brauchen Sie sich darüber jedoch keine Sorgen machen. Das Gefährlichste, was Ihnen hier begegnen kann, sind Zecken und selbst die sind bei weitem nicht so gefährlich, wie ihr Ruf vermuten lässt. Wildschweine, die oft als angriffslustig gelten, sind scheu, friedlich und vermeiden jeden Kontakt mit Menschen. Generell gilt Begegnungen mit wildlebenden Tieren: verhalten Sie sich ruhig und respektvoll, greifen Sie nicht an und laufen Sie nicht panisch davon. Die weitaus größeren Gefahren sind Hunger, Durst, Kälte, Hitze und Verletzungen. Versuchen Sie sich so gut wie möglich vor diesen Faktoren zu schützen. Achten Sie vor allem darauf, dass Sie keine unnötigen Risiken eingehen. Survival bedeutet nicht, so hart wie möglich gegen die Natur zu kämpfen und sich jeder Gefahrensituation auszusetzen, die man finden kann. Es bedeutet vielmehr, einheimisch in der Natur zu werden und zu lernen, die Angebote zu erkennen und zu nutzen, die sie einem bietet. In den folgenden Tipps gehen wir auf die einzelnen Gefahren noch genauer ein.

Wildernes-Survival

3. Nahrung
 In vielen Survivalbüchern steht beschrieben, dass Nahrung zunächst kein Problem darstellt, da man bis zu vier Wochen ohne sie überleben kann. Theoretisch ist das auch möglich, allerdings nur dann, wenn man sich in diesen vier Wochen von jeder körperlichen Anstrengung fernhält. Auf einer Survivaltour brauchen Sie jedoch sehr viel Energie für die Suche nach einem geeigneten Lagerplatz, den Aufbau Ihres Lagers, die Beschaffung von Feuerholz und Wasser, sowie für einige weitere Aufgaben und Herausforderungen. Hinzu kommt, dass Ihr ganzer Organismus permanent auf 100% läuft, da er den Wettereinflüssen ausgesetzt ist und ständig wachsam sein muss. Aus diesem Grund kann Nahrung bereits am ersten Tag eines der größten Themen werden. Der beste Schutz dagegen ist es, sich in der Natur auszukennen. Allein in Mitteleuropa gibt es rund 1800 verschiedene essbare Wildpflanzen. Wenn Sie ihre Tour im Herbst starten, stehen die Chancen auf ein Wildnisabendessen besonders gut, da der Wald Sie dann mit einer Vielzahl an Früchten und Wurzeln versorgt. Nehmen Sie sich bei Ihren ersten Survivaltouren daher auch ein einfaches Bestimmungsbuch mit, oder besuchen Sie zuvor einen Grundlagenkurs über essbare Wildpflanzen. Essen Sie jedoch niemals eine Pflanze, die sie nicht kennen und bei der Sie sich nicht zu 100% sicher sind, man sie essen kann. Lernen Sie lieber nur wenige Pflanzen kennen, die sie aber sicher bestimmen können, als viele, bei denen sie sich dann unsicher fühlen. An tierischer Nahrung stellen für den Anfang vor allem Insekten eine leichte Beute dar. Viele von Ihnen sind geschmacklich sehr angenehm (Ameisen zum Beispiel) und einige gelten in anderen Kulturen sogar als Delikatesse.

Das geheime Wissen der Urvölker

4. Wasser
Neben der Nahrung ist Wasser das zweite Grundbedürfnis, das Sie bei Ihrem Abenteuer befriedigen müssen. Ursprünglich enthielt unsere Darmflora die gleichen Bakterien, die auch in wildem Wasser vorkommen, so dass wir es gefahrlos trinken konnten. Durch unsere sterile Lebensweise haben wir die meisten von Ihnen jedoch abgetötet. Wenn Ihr Darm nun auf einen Schlag wieder mit diesen Bakterien konfrontiert wird, ist er damit so überfordert, dass er mit Durchfall und Erbrechen darauf reagiert. Trinken Sie daher niemals Wasser aus Bächen, Flüssen oder Seen, ohne es zuvor keimfrei zu machen. Lediglich frisches Quellwasser ist frei von Keimen und Bakterien und kann ohne Bedenken getrunken werden. Alles andere sollte abgekocht oder auf andere Weise entkeimt werden. Achtung: chemische Verunreinigungen, Schwermetalle, Giftstoffe und Hormone können nicht aus dem Wasser entfernt werden. Achten Sie also gut darauf, dass das Wasser Ihrer Wahl nicht zuvor durch Städte, Industriegebiete oder Agrarflächen geflossen ist und dass keine Abwässer hineingeleitet werden.

Notnahrung

5. Schlafplatzwahl
Damit Ihre erste Nacht in der Wildnis nicht zu einem Alptraum wird, sollten Sie bei der Schlafplatzwahl einige Dinge beachten. Vermeiden Sie Plätze an denen eine hohe Feuchtigkeit herrscht. Im Winter sorgt die Nässe dafür, dass Sie schneller auskühlen und im Sommer lockt sie Mücken an. Wenn Sie keine Notunterkunft aus Laub bauen wollen, bieten sich Nadelwälder als Lagerplätze an, da das dichte Nadeldach für Wind- und Regenschutz sorgt. Achten Sie unbedingt darauf, dass sich keine toten Äste in den Bäumen über Ihnen befinden, die bei einem Sturm herunterfallen könnten.

Ekelüberwindung

6. Schutz
Wenn Sie einen geeigneten Schlafplatz gefunden haben, müssen Sie entscheiden, wie Sie sich die Nacht über vor den Wettereinflüssen schützen wollen. Halten Sie dabei zunächst Ausschau nach natürlichen Schutzgelegenheiten, wie Felsvorsprünge, Höhlen, umgestürzte Bäume u.ä. In trockenen Nächten, in denen es keine Minusgrade hat, reicht in der Regel ein Feuer zum Warmhalten aus. Alternativ können Sie sich eine einfache Schutzbehausung bauen. Die simpelste Form ist der Laubschlafsack. Tragen Sie hierfür einen Laubhaufen zusammen, der etwa 0,5m hoch und doppelt so breit ist, wie Sie selbst. Er sollte etwa einen halben Meter länger als Ihre Körpergröße sein. Formen Sie in der Mitte des Haufens der Länge nach eine Kuhle, in die Sie sich hineinlegen und decken Sie sich mit dem Laub links und rechts von Ihnen zu. Bei Nächten mit hoher Regenwahrscheinlichkeit können Sie eine Laubhütte bauen, indem Sie den Laubhaufen überdachen. Bauen Sie dafür zunächst einen Dachstuhl aus einem Stabilen First und vielen Ästen. Anschließend bedecken Sie Ihn ebenfalls mit Laub. Damit er wirklich Wasserdicht wird, muss die obere Laubschicht ca. 1,5m dick sein. Zum Schlafen kriechen Sie in diesem Fall mit den Füßen voran, durch die Öffnung in die Laubhütte. Beginnen Sie früh genug mit dem Bau der Hütte, denn Sie werden einige Zeit dafür brauchen.

Gefahren in der Wildnis

7. Feuer
Nichts schafft mehr Gemütlichkeit und Komfort in der Wildnis als ein Feuer. Es hilft Ihnen, Ihr Essen zuzubereiten und Ihr Wasser abzukochen und schenkt Ihnen Wärme, Licht und Geborgenheit. Um ein Feuer zu entfachen gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Die ursprünglichste Form ist das Feuerbohren. Es erfordert viel Übung, ermöglicht es Ihnen jedoch, auch dann ein Feuer zu entzünden, wenn Sie nichts dabei haben als ein Messer und eine Schnur (Beispielsweise einen Schnürsenkel). Für den Anfang sind aber Streichhölzer, Feuerzeuge oder Funkenschläger die leichtere Wahl. Bauen Sie Ihr Feuer stets so auf, dass sich die erste Glut von sehr feinem Material zu immer massiverem hinarbeiten kann. Als besonders hilfreiche Zunder- und Anfeuermaterialien haben sich Rohrkolbensamen, Distelsamen, trockener Farn, trockene Gräser und Birkenrinde erwiesen. Als leicht brennbares Holz eignet sich vor allem trockener Fichtenreisig. Wenn dieser brennt, können Sie fingerdicke Äste nachlegen und dann zu immer dickerem Holz übergehen. Achten Sie darauf, dass Sie das Feuer vor Verlassen Ihres Lagerplatzes gut löschen.

Naturwissen

8. Orientierung
Orientierung ist die Kunst, jederzeit zu wissen, wo man ist, wo man hin will und wie man dort hingelangt. Es ist eine Kunst, die man genauso erlernen kann wie Klavierspielen, Mathematik oder Malen. Zunächst ist es wichtig, einige Grundlagen und Techniken zu kennen und zu trainieren. Später wird daraus dann eine intuitive Fähigkeit, über die man nicht mehr viel nachdenken muss. Zum Anfang gibt es vor allem ein wichtiges Faktum, das Sie beachten sollten. Jeder Mensch hat ein dominantes Bein. Das bedeutet, dass Sie mit einem Bein immer etwas stärker vorwärts gehen, als mit dem anderen. Wenn Sie in einem Gebiet keinerlei Anhaltspunkte haben und einfach schnurstracks geradeaus gehen, beschreiten Sie daher in Wirklichkeit einen Kreis, der Sie irgendwann zurück zu Ihrem Ausgangspunkt führen wird. Dies ist der Grund, weshalb Sie sich bereits in einem Wald mit einer Größe von nur wenigen Quadratkilometern hoffnungslos verlaufen können. Suchen Sie sich daher immer einen entfernten Orientierungspunkt, auf den Sie zu gehen können, so dass Sie die gewünschte Richtgung auch wirklich einhalten. In dichten Wäldern, in denen es keinen derartigen Orientierungspunkt gibt, müssen Sie sich drei Bäume in einer Reihe suchen, an der Sie entlang gehen können. Immer wenn Sie den ersten der drei Bäume erreicht haben, suchen Sie sich in Verlängerung der anderen beiden einen neuen dritten. Achten Sie außerdem stets auf Landmarken wie Flüsse, Bäche, Waldgrenzen, Hügel, Berge, Straßen, Seen und Schluchten. All dies kann Ihnen Hinweise auf Ihre Position geben und hilft Ihnen dabei, wieder zurückzufinden.

Überleben in Extremsituationen

9. Wetter
Der Schwierigkeitsgrad Ihres Survivalabenteuers hängt unmittelbar mit der Wetterlage zusammen. Ihre ersten Survivalerfahrungen sollten Sie daher am besten im Spätsommer oder Frühherbst machen. Zu dieser Zeit haben Sie gute Chancen auf gemäßigte Wetterverhältnisse und können gleichzeitig die Vielfalt der reifen Früchte nutzen. Um sich nicht von einem plötzlichen Wetterumschwung überraschen zu lassen, sollten Sie auf die Zeichen der Natur achten. Vor allem die Vögel können Ihnen viel über das Wetter berichten. Achten Sie immer wieder auf die Stimmung, mit der sie singen. Wenn ihr Gezwitscher an sonnigen Tagen plötzlich nicht mehr fröhlich sondern eher gedrückt klingt, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass das Wetter demnächst schlechter wird. Hören sie unvermittelt ganz zu singen auf und kommt dazu noch ein kräftiger Wind, können Sie sicher sein, dass ein heftiger Regenschauer oder ein Gewitter bevorstehen. Fängt es jedoch leicht an zu regnen, ohne dass sich der Gesang der Vögel verändert, wird der Regen weder stark noch lang anhaltend sein.

Psychische Schwellen

10. Psychische Schwellen
Die größte Herausforderung, der Sie beim Survival begegnen, ist Ihre eigene Psyche. Sie begeben sich aus dem Komfortbereich Ihres alltäglichen Lebens in eine völlig unbekannte Situation. Dadurch werden Sie mit vielen psychischen Themen, mit Ängsten und eigenen Schwächen konfrontiert, die sich in der Zivilisation gut verdrängen lassen. Spätestens wenn das erste Hungergefühl aufkommt, wenn Sie von Mücken zerstochen aufwachen, wenn es Ihnen friert, weil Ihr Feuer erloschen ist oder wenn Sie im Wald von einem Regenschauer überrascht werden, werden Sie sich folgende Fragen stellen: „Warum zum Teufel tue ich das eigentlich? Wäre es nicht viel schöner, mit einem guten Essen und einer warmen Decke daheim auf meinem Sofa zu liegen?“ Lassen Sie sich von diesen Zweifeln nicht entmutigen! Sie sind ein deutliches Zeichen dafür, dass Sie gerade sehr viel über sich selbst lernen. Das wichtigste Wundermittel gegen dieses psychische Tief ist Humor! Wenn Sie zu zweit oder zu mehreren unterwegs sind ist es daher besonders wichtig, dass Sie sich nicht gegenseitig runterziehen, sondern aufmuntern und zum Lachen bringen. Unser Körper ist unglaublich robust und belastbar. Das was uns in einer Survivalsituation wirklich umbringen kann, ist unser eigener Verstand, der uns einredet, dass wir sterben werden. Daher ist es entscheidend, dass Sie auch in schwierigen Momenten den Humor und eine positive Grundhaltung nicht zu verlieren. Im nachhinein werden es genau diese Situationen sein, an die Sie häufig zurückdenken, weil sie Ihr Leben besonders bereichert haben.

 

Survivaltipps 

 

 
     
 
 
Kontakt Impressum Was machen wir Unsere Philosophie Team Highlights Presse Heiko Gärtner